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Old 24.08.2007, 01:23   #76
Kirschkuchen
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Wie ignorant ihr doch bezüglich meines Beitrags seid! Schämt euch! Meine ehrenwerte Eloquenz durch diverse Repliquen zu diskreditieren! Mit Sprengstoffgürtel wäre meine Entscheidung bereits gefallen!
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Old 24.08.2007, 13:03   #77
batpawn
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Wie ignorant ihr doch bezüglich meines Beitrags seid! Schämt euch! Meine ehrenwerte Eloquenz durch diverse Repliquen zu diskreditieren! Mit Sprengstoffgürtel wäre meine Entscheidung bereits gefallen!
bla bla bla jadda jadda jadda.

posting nonsense makes fun.

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ausländerfeindlich? ist das nicht immer der der's sagt?
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Old 24.08.2007, 13:58   #78
Showbiz
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Wtf means Repliquen?
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Old 24.08.2007, 14:37   #79
Kirschkuchen
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Nein, Repliquen, seit einigen Jahren auch "Repliken" geschrieben (nicht zu verwechseln mit "Replik", da der Plural davon "Replika" lautet) und gemeint sind damit einzelne Redeanteile. Ich war übrigens total besoffen und konnte kaum noch laufen, als ich obiges schrieb.
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Old 28.08.2007, 03:02   #80
Jan
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@ Tommy Vercetti: Ich möchte jetzt nicht jedes Zitat von dir einzeln durchkauen. Viele Punkte hängen einfach direkt zusammen und lassen sich nicht so separat behandeln. Aber es sollte erkennbar sein, auf welche Aspekte deines Beitrags von letztem Monat ich mich beziehe. Einzelne Zitate werde ich direkt kommentieren, wenn ich sehr direkt etwas an deiner Argumentation zu bemängeln habe.

Quote:
Sogenannte "Vorfälle" kommen aber tagtäglich vor. Stimmt, wir haben ein Problem mit Jugendkriminalität und die geht nunmal zum Großteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund aus. Das ist kein Geheimnis.
Proportional gesehen sitzen in den USA deutlich mehr Ureinwohner im Gefängnis als Nachfahren eingewanderter Amerikaner. Willst du mir nun erzählen, die indianische Kultur sei krimineller oder gewaltbereiter als die christliche Kultur?

Ich möchte zum Ausdruck bringen, dass erhöhte Kriminalität unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund nur zu einem geringen Teil auf die Erziehung bzw. den kulturellen Hintergrund der Eltern zurückzuführen ist. Aber natürlich gibt es diverse Aspekte in der türkischen Kultur, die mir sehr missfallen. Da wäre beispielsweise der starke Nationalismus, die Unterdrückung der Kurden, der Militarismus, die Leugnung des Völkermords an den Armeniern etc.

In Deutschland gibt es in Bezug auf den Völkermord der Nazis ähnliche Probleme, aber nicht in dem Ausmaß wie in der Türkei. Fraglich ist jedoch, ob dies auch ohne die von den Alliierten eingeleitete Entnazifizierung möglich gewesen wäre. Aus diesem Grunde sollte man vorsichtig sein, das Verhalten deutscher Türken auf den türkischen Nationalismus und diesen verabscheuungswürdigen türkischen Nationalismus nur auf einzelne kulturelle Aspekte wie zum Beispiel den Islam zurückzuführen.

Zurück nach Deutschland: Deutsche Türken bedienen sich gerne beim türkischen Nationalismus, wenn es darum geht, sich von anderen Deutschen abzugrenzen. Das Problem ist daher nicht beliebig übertragbar und ist daher sicherlich ein rein deutsch-türkisches Phänomen. Daher gibt es tatsächlich Unterschiede zwischen beispielsweise italienischen und türkischen Einwanderern. Einerseits sind die kulturellen Hintergründe fundamental unterschiedlich, andererseits ist die Bevölkerungsgruppe türkischstämmiger Deutscher weitaus größer. Ersteres führt dazu, dass der Verlauf der Integration sehr unterschiedlich ist. In der Türkei ist der Islam die vorherrschende Religion. In Deutschland und Italien ist es das Christentum. Religion ist für viele Menschen ein sehr zentraler Aspekt des Lebens (auch wenn es vielen Menschen nicht bewusst ist) und daher kann man nicht erwarten, dass sich Menschen von ihren religiösen Idealen verabschieden, nur um besser ins westliche Weltbild zu passen.

Wir müssen aber erwarten, dass sich jeder Mensch (unabhängig welcher Religion er angehört) kritisch mit der eigenen Religion auseinandersetzen kann und auch Kritik von fremder Seite toleriert. In arabischen Ländern ist das nicht selbstverständlich. Dies ist aber kein Grund, dem Islam in Europa weniger Toleranz entgegenzubringen als dem Christentum. Tut man dies, begeht man selbst den Fehler, den man am arabischen Islam(ismus) kritisiert. Es ist schwierig, dem Islam Toleranz entgegenzubringen, wenn in der Öffentlichkeit fast nur Moslems zu Wort kommen bzw. erwähnt werden, die diese Toleranz gegenüber anderen Religionen nicht besitzen.

Mir ist bewusst, dass ich als Religionswissenschaftler einfach einen riesigen Vorsprung habe, was das Islam-Verständnis angeht und es vielleicht etwas naiv ist, von Jugendlichen zu erwarten, ihr von den Medien und deutsch-türkischen Jugendlichen vermitteltes Bild vom Islam zu hinterfragen. Aber der Islam ist eine aktuell sehr aufstrebende Religion und gewinnt überall in der Welt an Bedeutung. Daher ist es sehr wichtig, sich mit dem Islam zu beschäftigen. Es ist ja nicht so, als würden Einwanderer einseitig von Deutschland profitieren, weshalb ich dieses "Die kommen doch zu uns, also warum sollte ich mich mit denen beschäftigen? Die sollen sich erstmal richtig integrieren!"-Argument für sehr idiotisch halte. Deutschland und andere europäische Staaten könnten ohne Einwanderung gar nicht in ihrer heutigen Form überleben. Wenn man also Einwanderer ins Land holt, muss man auch akzeptieren, dass dies die Kultur in dem Land verändert. In Deutschland ist der Islam inzwischen eben ein kultureller Faktor. Dies führt zu Problemen, keine Frage. Aber diese gilt es gemeinsam zu lösen, anstatt sich nur gegenseitig Vorwürfe zu machen.

Kommen wir nun zum zweiten Punkt, den ich eben in Bezug auf türkische Einwanderer nannte: Türken stellen die eindeutig größte ethnische Minderheit in Deutschland. Daher ist es für sie natürlich leichter, in Deutschland das Leben fortzuführen, was sie vorher in der Türkei führten, ohne sich an deutsche Verhältnisse anzupassen.

Kritik daran ist völlig berechtigt. Man sollte aber nicht außer Acht lassen, dass es Türken von vielen Deutschen auch nicht leicht gemacht wird, sich der deutschen Kultur zu nähern. Ich bin in einem Dorf aufgewachsen. Dort wäre es für die meisten Menschen unvorstellbar, dass ein Türke im Schützenverein mitmacht oder für die ortsansässige CDU oder SPD kandidiert. Dies bestärkt Einwanderer doch noch in ihrem Unwillen, sich zu integrieren und nicht in rein türkisch geprägte Stadtteile zu ziehen. Dies führt dann oft in der nächsten Generation (also bei Kindern von Einwanderern) zu Wut, Aggression und Hass gegen Deutsche, was auf deutscher Seite wiederum den Rassismus verstärkt (wie man in diesem Thread sieht). Ein ewiger Teufelskreis, der sich nur durchbrechen lässt, wenn beide Seiten ihre Vorurteile abbauen und zum Dialog bereit sind. Dies gilt für jeden Menschen in diesem Land, egal welcher Abstammung er ist.

Quote:
Na sicher, die Lehrer sind schuld. Erzähl das mal einer Hauptschullehrerin in Berlin-Neukölln. Die wird schmunzeln, den Schrank aufmachen und dir die Butterflys und Schlagringe zeigen, die den Schülern abgenommen wurden. Anstatt die Lehrer zu schützen, die ja wirklich nichts dafür können, dass sich ihre Klasse zu 80% aus intoleranten Einwanderern zusammensetzt, wirfst du ihnen vor die Schüler zu diskriminieren.
Na sicher, die Türken sind schuld. Erzähl das mal dem einzigen türkischen Kind in der Grundschule im Sauerland, das jeden Tag weinend nach Hause kommt, weil es in der Schule von einigen Mitschülern und einem Lehrer diskrimiert wird.

Durch die Parodie deines Argumentationsstils wird dir vielleicht bewusst, was ich dir sagen möchte. Es gibt beide Fälle in Deutschland. Sowohl das von dir angesprochene Problem, als auch das von mir genannte Thema. Was denkst du wird in den Medien stärker thematisiert? Richtig, die von Einwanderern dominierte Hauptschulklasse. Ist ja auch ein Thema, was man herrlich actionreich und spannend erzählen kann und daher gut ankommt. Ähnlich wie beim Thema "Killerspiele". Ich will damit nicht sagen, dass es deshalb nicht thematisiert werden soll. Aber es ist wichtig, auch andere Probleme zu thematisieren, die für das Verständnis wichtig sind. Bei "Killerspielen" wird ja auch nicht der soziale Hintergrund von Spielern ausreichend berücksichtigt und daher entstehen so absurde Forderungen von konservativer Seite. Ähnlich ist es bei diesem Thema auch. Man stellt gewaltbereite Kinder von Einwandern dar, nicht aber die jeweiligen Vorgeschichten bzw. die allgemeine gesellschaftliche Vorgeschichte.

Die Geburtenrate in Deutschland ist extrem gering, daher sind in Schulen proportional mehr Ausländer als in anderen Teilen der Gesellschaft, das ist klar. Trotzdem sind in Grundschulen Kinder von Einwanderern überwiegend in der Minderheit. Natürlich gibt es da diverse Ausnahmen in Großstädten, aber in dieser frühen Phase der Erziehung ist es eben nicht so, wie du es gerade darstellst. Dort sind Türken meist in der Minderheit. Dass sie später zu einem großen Teil zur Hauptschule gehen, ist ja kein Zufall oder hängt damit zusammen, dass sie dümmer wären als deutsche Kinder. Nein, sie haben nur einfach aus diversen Gründen schlechtere Chancen. Das hat nicht in erster Linie mit Rassismus zu tun. Dies spielt manchmal sicher auch eine Rolle, aber nur vereinzelt würde ich behaupten. Ein Großteil dieser Kinder kommt aus vergleichsweise armen Elternhäusern. Die sprachlichen Probleme der Kinder, die daraus resultieren, dass die Eltern selbst oft nur schlecht Deutsch sprechen, werden daher nur selten durch zusätzliche Kurse (die meistens Geld kosten) bekämpft. So ist es diesen Kindern schwieriger möglich, ihre Intelligenz zu entfalten und sie enden in der Hauptschule. Dort treffen sie auf viel mehr Türken als vorher in der Grundschule und sind viel weniger auf die deutsche Sprache angewiesen als vorher in der Grundschule, was ihren schulischen Leistungen gewiss nicht zuträglich ist. Da wären wir wieder beim Thema Teufelskreis.

Quote:
Das ist eine Fehleinschätzung, denn in den Problemvierteln sind fremde Kulturen längst in der Überzahl. Bedenke bitte, dass es heutzutage normal ist, wenn in einer Klasse nur drei deutsche Kinder sitzen.
Deutschland besteht nicht nur aus Problemvierteln. Bedenke du bitte, dass es heutzutage auch immer noch normal ist, wenn in einer Klasse drei türkische Kinder sitzen.

Quote:
Wenn ein Schwarzer verprügelt wird, dann waren es immer gleich Rassisten und die Empörung ist riesengroß. Die Gewalt der Einwanderer gegenüber Deutschen sollen wir aber akzeptieren?! Sorry, aber da läuft doch irgendwas schief hier.
Das (leider) führende Medium in Deutschland ist noch immer die Bild-Zeitung. Dort werden rechtsextreme Übergriffe nicht hervorgehoben, sondern (bewusst) heruntergespielt und sogar falsche Tatsachen bezüglich der Anzahl rechtsextremer Übergriffe in Deutschland verbreitet (es wurde behauptet, die Zahl rechtsextremer Übergriffe sei gesunken - genau das Gegenteil war der Fall!). Bei der deutschen Polizei geht man aufgrund unserer Geschichte sehr sensibel mit rechtsextremen Übergriffen um. Wenn also in den Medien ein solcher Übergriff groß thematisiert wird, dann wurde die Tat in den meisten Fällen auch bereits durch die Polizei eindeutig als rechtsextrem motivierte Straftat erkannt. Wenn du dir dann mal die Zahlen vom BKA diesbezüglich anschaust, wirst du nicht mehr behaupten, dass die Empörung immer gleich riesengroß ist. Meistens gerät es gar nicht erst an die Öffentlichkeit.

Die meisten Übergriffe von Einwanderern gegenüber Deutschen natürlich auch nicht, aber sie werden genauso in den Medien thematisiert wie rechtsextreme Übergriffe. Der Unterschied besteht nur darin, dass es sich bei ersterem meistens nicht um rassistisch motivierte Taten handelt, sondern um Raubüberfälle o.ä. Natürlich gibt es auch rassistische Übergriffe gegen Deutsche, aber diese sind eben deutlich seltener als rassistische Übergriffe gegen Ausländer.

Quote:
Jugendliche türkischer Abstammung sind mit zwanzig Mann auf meinen Kumpel losgegangen. Verständlich, schließlich hat er sich geweigert ihnen seine Zigarettenpackung zu geben ...
Aber das ist kein rassistisch motivierter Überfall gewesen, oder? In meinen Augen ging es da um Nötigung bzw. Diebstahl ohne Bezug zur ethnischen Herkunft deines Freundes, oder liege ich da falsch?
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Old 28.08.2007, 11:10   #81
.svenn
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Darf ich, wenn ich in die Türkei gehe, eine Kirche bauen?
Darf ich, wenn ich in die Türkei gehe, für irgendein größeres Amit kandidieren?

Schön und überzeugend geschrieben, aber sehr idealistisch, oder? - Was ist denn mit denen, die als "Nazis" bezeichnet werden, aber einfach überzeugte Demokraten sind? - Wenn du, Jan, einen Fall hören willst, schreib mich per PN an, ich möchte das nicht hier drin haben.
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Old 28.08.2007, 11:33   #82
Jan
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Darf ich, wenn ich in die Türkei gehe, eine Kirche bauen?
Darf ich, wenn ich in die Türkei gehe, für irgendein größeres Amit kandidieren?
Dieses Thema habe ich doch bereits angesprochen:

Quote:
In arabischen Ländern ist das nicht selbstverständlich. Dies ist aber kein Grund, dem Islam in Europa weniger Toleranz entgegenzubringen als dem Christentum. Tut man dies, begeht man selbst den Fehler, den man am arabischen Islam(ismus) kritisiert.
Arabische Länder sind weitgehend (noch) nicht demokratisch und im Falle der Türkei ist die Demokratie immerhin äußerst fragwürdig. Aber ist das ein Grund, Moslems in Europa schlechter zu behandeln als Christen? Wenn du dieser Ansicht tatsächlich bist, dann bist du doch auch nicht besser, als die arabischen Staaten, die Christen und Juden unterdrücken.

Quote:
Schön und überzeugend geschrieben, aber sehr idealistisch, oder?
In gewisser Weise sicherlich ja, darin sehe ich auch kein Problem. Mir geht es in erster Linie aber um Völkerverständigung bzw. Konfliktlösung, was im Text mehrfach angesprochen wird. Du hast eventuell nicht das multikulturelle Umfeld, was ich habe. Daher kennst du vielleicht den kritischen Dialog mit Türken, Kurden, Irakern etc. nicht so wie ich. Du kannst mit einem intelligenten Türken kritisch über den türkischen Staat sprechen und er wird sich nicht persönlich angegriffen fühlen, sondern dir schlimmstenfalls widersprechen, aber das ist ja normal in einer Diskussion. Genauso fühle ich mich nicht persönlich beleidigt, wenn er deutsche Mentalität kritisiert und von der Offenheit und Gastfreundlichkeit in der Türkei schwärmt und diese Warmherzigkeit gegenüber Fremden in Deutschland vermisst.

Die Personen, die in diesem Thread jedoch kritisiert werden, berufen sich vielleicht auf die türkische oder islamische Kultur, benutzen dies aber zumeist nur als Ausrede, um sich von den verhassten Deutschen abzugrenzen, deren Kultur (bzw. Teile davon, z.B. die westliche Hip-Hop-Kultur) man aber meist zum großen Teil angenommen hat.

Quote:
Was ist denn mit denen, die als "Nazis" bezeichnet werden, aber einfach überzeugte Demokraten sind?
Ich finde es in Deutschland wirklich schockierend, dass nicht kritisch über Rechtsextremismus außerhalb von Nazi-Kreisen diskutiert werden kann. Ich sage es ganz offen, es gibt auch Rassisten in den großen Parteien, die im Bundestag vertreten sind. Wenn jedoch ein Linker einen Vergleich mit dem Nationalsozialismus zieht, wird dieser dafür sofort diskreditiert, anstatt zu hinterfragen, ob sich tatsächlich auch rechtsextremes Gedankengut in das bürgerlich-konservative Lager verschoben hat. Ich halte nichts davon, Demokraten als Nazis zu beschimpfen. Genauso wenig halte ich jedoch davon, Rechtsextremismus außerhalb von NPD, DVU & Co. zu verschweigen, um bloß niemanden zu attackieren.
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Old 28.08.2007, 11:44   #83
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Dieses Thema habe ich doch bereits angesprochen:



Arabische Länder sind weitgehend (noch) nicht demokratisch und im Falle der Türkei ist die Demokratie immerhin äußerst fragwürdig. Aber ist das ein Grund, Moslems in Europa schlechter zu behandeln als Christen? Wenn du dieser Ansicht tatsächlich bist, dann bist du doch auch nicht besser, als die arabischen Staaten, die Christen und Juden unterdrücken.
Natürlich ist das kein Grund. Aber gerade wegen dem zweiten Weltkrieg können wir - bzw. die Deutsche Regierung - es sich nicht leisten, irgendwelchen Forderungen zu widersprechen, weil wir sonst sofort wieder als Nazis bezeichnet werden würden. Vielleicht nicht von den Regierungen der anderen Länder, aber von allen Bürgern. Bestes Beispiel von vor ein paar Tagen: Die Isrealische Regierung hat den Holochaust-Hinterbliebenen Deutsche Unterstützung versprochen. In wieweit das genau der Wahrheit entspricht, kann ich nicht genau sagen. Ich habe es nur gesagt bekommen.

Hast du das Buch "Hurra, wir kapitulieren! Von der Lust am Einknicken" von Henryk M. Broder gelesen?

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Old 28.08.2007, 13:22   #84
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Natürlich ist das kein Grund. Aber gerade wegen dem zweiten Weltkrieg können wir - bzw. die Deutsche Regierung - es sich nicht leisten, irgendwelchen Forderungen zu widersprechen, weil wir sonst sofort wieder als Nazis bezeichnet werden würden. Vielleicht nicht von den Regierungen der anderen Länder, aber von allen Bürgern. Bestes Beispiel von vor ein paar Tagen: Die Isrealische Regierung hat den Holochaust-Hinterbliebenen Deutsche Unterstützung versprochen. In wieweit das genau der Wahrheit entspricht, kann ich nicht genau sagen. Ich habe es nur gesagt bekommen.
Das Thema sagt mir jetzt gerade nichts und es ist im Grunde natürlich etwas dreist, über die Gelder anderer Länder zu sprechen, aber in diesem Fall ist das durchaus berechtigt finde ich. Man kann nie wieder gutmachen, was die Nazis dem jüdischen Volk angetan haben und natürlich gibt es Politiker (auch in Israel), die das ausnutzen. Das wird in Israel selbst auch sehr kritisch gesehen, da man die Gefahr sieht, wieder einer Sonderbehandlung durch Europa bzw. in erster Linie durch Deutschland zu unterliegen, weil man Jude ist (wenn es in diesem Fall auch positive Sonderbehandlung ist). Gleichzeitig gibt es aber in meinen Augen berechtigte finanzielle Forderungen von Holocaust-Überlebenden und Angehörigen von Holocaust-Opfern. Ich bin leider nicht sehr gut informiert, inwieweit die deutsche Regierung von alleine diese Belange behandelt oder ob Israel dort immer erst Druck machen muss. Daher kann ich das angesprochene Thema leider nicht abschließend beurteilen.

Quote:
Hast du das Buch "Hurra, wir kapitulieren! Von der Lust am Einknicken" von Henryk M. Broder gelesen?
Nein, leider noch nicht (jedenfalls nicht komplett, nur einzelne Auszüge, die vorab oder später veröffentlicht wurden). Ich kenne andere Werke von ihm und wiederum Werke von anderen Autoren mit dem in diesem Buch behandelten Thema (wie gesagt, ich studiere Religionswissenschaft und bis daher ganz gut mit islamischer Literatur und Literatur über den Islam versorgt). Es macht Spaß, Broder zu lesen oder ihm zuzuhören. Er ist ein genialer Zyniker, aber man sollte aufpassen, ihn als politischen Journalisten völlig ernst zu nehmen. Ich will damit nicht sagen, dass man ihn nur aus Spaß lesen soll, aber man sollte seine überspitzen Schlussfolgerungen doch kritisch hinterfragen.

Ihm wird ja sogar in jüdischen Kreisen eine gewisse Islamphobie vorgeworfen (jedenfalls in Deutschland, wie es in Israel ist, kann ich leider nicht sagen). Trotzdem mindert das nicht viele richtige Argumente, die er anführt. Er kritisiert (besonders in linken Kreisen) weit verbreitete islamunkritische Haltungen, setzt ihnen oft aber genauso einseitig unkritische pro-westliche Thesen gegenüber. Über Broder allein könnte man schon wieder seitenlang diskutieren, also lass uns besser nicht zu sehr auf seine Person vertiefen. Aber ich werde bei nächster Gelegenheit sein Buch kaufen und mal komplett lesen.
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Old 28.08.2007, 13:31   #85
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Originally Posted by Player1 View Post
Unterschiede bezüglich des Agresions potentials konnte ich kaum bis garkeine fest stellen, nur das die christlichen kameraden wen man sich ihnen gegenüber kritich gegenüber Gott äußerte agresiver reagierten als die Islamistichen kameraden wen man sich kritisch gegenüber dem Islam äußerte.
Ähm, also wenn ich diesen Satz jetzt richtig verstanden haben sollte, bin ich hochgradig erstaunt. Meine Erfahrungen gehen in genau die andere Richtung.
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Old 28.08.2007, 13:40   #86
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Uh... Ich finde deine Ansicht etwas kurios, Jan. Natürlich kann man den Holocaust nie wieder gut machen. Aber warst du daran beteiligt, war ich daran beteiligt? - Ich will meinen Kopf trotz allem nicht dafür hinhalten. Und dass es in diesem Fall "berechtigt" ist... Auch in Hundert Jahren wird noch gesagt, "Damals". Und dass die Verwandten der Betroffenen Entschädigungen brauchen, obwohl sie den Betroffenen niemals hätten Begegnen können, was sicherlich auch teilweise heute schon so ist, auch wenn es den Holocaust nicht gegeben hätte. Das macht für mich keinen Sinn. Und wir sind es, die das Geld zahlen müssen. Du sagst, es sei nie wieder gutzumachen. Warum versuchen wir es dann? Und dann auch noch mit Geld, wo wir doch alle wissen, dass es nicht glücklich macht. Warum geht die deutsche Regierung nicht menschlich auf die Betroffenen zu?

Sven
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Old 28.08.2007, 14:38   #87
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Man sollte aber auch nicht vergessen, dass der Holocaust erst etwa 60-70 Jahre zurückliegt. Natürlich ist das eine lange Zeit, wenn man dagegen unser Alter sieht (ich weiß ehrlich gesagt nicht wie alt du bist, aber ich denke mal, dass wir grob im gleichen Alter sind) und natürlich haben wir als Personen keinen Anteil daran.

In diesem Thread wurde angesprochen, dass das Verhalten deutsch-türkischer Jugendlicher in erster Linie auf die Erziehung zurückzuführen ist. Zum Teil ist das in meinen Augen falsch, zum Teil stimmt es aber natürlich auch (auch wenn andere Faktoren eher entscheidend sind für gewalttätiges Verhalten, aber das habe ich ja bereits ausgeführt). Überträgt man diese Überlegung auf Deutschland, muss man doch anerkennen, dass nationalsozialistisches Gedankengut nicht durch einen verloreren Krieg und eine mehr als oberflächliche Entnazifizierung plötzlich komplett aus den Köpfen verschwindet (sondern durch Erziehung auch in andere Generationen getragen wird bzw. wurde). Natürlich wurde Hitler nach 1945 in Deutschland zur Unperson, trotzdem spielten viele Aspekte, die den Nationalsozialismus erst ermöglichten oder sogar Teile von ihm waren, weiter eine Rolle (auch darüber schreibt Broder übrigens sehr gerne).

Wir sind in Deutschland sehr geschlossen in der Ablehnung von (Neo-)Nazis. Das ist gut und davon können viele Länder etwas lernen. Gleichzeitig erkennen wir aber oftmals nicht negative Nachwirkungen des Nationalsozialismus außerhalb dieser gesellschaftlich verachteten Nazi-Kreise. Auch wenn ich die Linkspartei in anderen Punkten beim besten Willen nicht unterstützen kann, benutzt sie in Bezug auf die Bekämpfung des Rechtsextremismus einen tollen Slogan: "Nazis raus aus den Köpfen". Es geht also in erster Linie nicht darum, NPD, DVU & Co. zu verbieten, sondern einen offenen Dialog über die Folgen des Nationalsozialismus in den deutschen Köpfen zu führen.

In England, Frankreich, Polen, USA etc. gab es eben nie einen Nationalsozialismus (jedenfalls nicht als herrschende Staatsform) und daher ist dieses Gedankengut und die Auseinandersetzung damit ganz anders in den Köpfen verankert als in Deutschland. Es geht nicht um Schuld, sondern darum, dass Geschichte prägend ist. Wir müssen eben auch akzeptieren, dass die Generation unserer Großväter und Urgroßväter (oder unserer Großmütter und Urgroßmütter) zu weiten Teilen aus überzeugten Nazis und feigen Mitläufern bestand. Selbstverständlich gab es Ausnahmen, natürlich gab es auch Menschen, die einfach so stark manipuliert wurden, dass sie nicht wussten, wen oder was sie da unterstützen. Aber die NSDAP hat bei freien Wahlen über 30% erhalten und hatte nach starker medialer Gehirnwäsche auch die Unterstützung der Mehrheit der Bevölkerung.

Ein nicht kleiner Teil der Bevölkerung wusste auch (bzw. hätte es wissen müssen), was in den Konzentrations- bzw. Vernichtungslagern passierte. Das beste Beispiel dafür ist das KZ Buchenwald. Bis 1941 (?) hatte das KZ keinen eigenen Bahnhof und über Jahre wurden täglich hunderte Gefangene vom Weimarer Hauptbahnhof ins einige Kilometer entfernte Buchenwald geführt. In Buchenwald wurden etwa 56.000 Menschen getötet. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass die Bevölkerung (die theoretisch den Inhalt von Hitlers "Mein Kampf" kannte) bei diesen Menschenmassen nicht gemerkt hat, dass die Gefangenen dort nicht nur zum Arbeiten hingeschickt wurden.

Die geschichtliche Distanz zum Nationalsozialismus ist nicht groß. Ein Land, in dem vor 74 Jahren Hitler an die Macht kommen konnte, kann meiner Meinung nach noch nicht wieder ganz gesund sein, so schnell können einschneidende geschichtliche Ereignisse nicht überwunden werden. Das Krebsgeschwür des Nationalsozialismus wurde zwar von den Alliierten entfernt, aber die offene Wunde ist noch immer nicht verheilt meiner Meinung nach. Es mag nerven, sich ernsthaft mit dem Nationalsozialismus zu beschäftigen, aber nur wenn man ihn versteht, kann man ihn gänzlich besiegen. In einer (deutschen) Dokumentation über Hitler aus den Sechzigern gibt es einen interessanten Schlusssatz, als die Kamera das Zerstören von Nazi-Symbolen in Deutschland zeigt: "Was wurde vernichtet? Der Nationalsozialismus? Oder bloß seine Symbole?" Darüber sollte man mal nachdenken.

Quote:
Auch in Hundert Jahren wird noch gesagt, "Damals". Und dass die Verwandten der Betroffenen Entschädigungen brauchen, obwohl sie den Betroffenen niemals hätten Begegnen können, was sicherlich auch teilweise heute schon so ist, auch wenn es den Holocaust nicht gegeben hätte. Das macht für mich keinen Sinn. Und wir sind es, die das Geld zahlen müssen.
Die Summen, die für die Opfer des Nationalsozialismus benutzt werden, sind auf den einzelnen Einwohner gerechnet so gering, dass es doch etwas übertrieben ist, sich deshalb zu beschweren. Wenn in der Innnenstadt der Tierschutzbund um eine Spende von 50 Cent bittet, dann sagst du doch auch nicht, dass du nichts spendest, weil du das Leid der Tiere nicht verschuldet hast.

Bei den Entschädigungen geht es ja auch oft um wirtschaftliche Entschädigungen. Sagen wir dein Vater wäre ein jüdischer Geschäftsmann gewesen, der von den Nazis enteignet wurde. Du hast dich während deiner ganzen Kindheit und Jugend auf die Übernahme des Ladens vorbereitet. Nun ist dein Vater ermordet, den Laden gibt es nicht mehr, du hast keine Ausbildung und du bist pleite. Ist es da nicht verständlich, dass du finanzielle Entschädigung forderst?

Quote:
Warum geht die deutsche Regierung nicht menschlich auf die Betroffenen zu?
Das tut sie! Die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel und zwischen der deutschen Regierung und dem Zentralrat der Juden ist ja auch deshalb so eng, um eine neue menschliche Nähe zu schaffen.
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