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Old 16.10.2006, 12:11   #13
Sam Fisher
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Originally Posted by Toni Cipriani
Er hat den zweiten Weltkrieg angezettelt. Dadurch wurden Flugzeuge entwickelt, die letztlich die gesamte Flugindustrie begründeten. Der Ur-Computer ENIAC, der zum Lenken der V1 nach Großbritannien entwickelt wurde, ist die Grundlage für alle heutigen PCs - ganz zu schweigen vom Internet. Die Autoindustrie entwickelte sich rasch zu einer der größten Industrien in der Welt. Vom Autobahnenbau will ich gar nicht reden.
So gesehen war Hitler auch nur ein Mensch wie jeder andere, der es schaffte, an die Spitze eines Staates zu kommen und seine Ideen und Vorstellungen - ob nun gut oder nicht - durchzubringen. Das Verhältnis von Gut und Schlecht bleibt dabei also im Gleichgewicht.
Hmmm... Also ich sag mal, das ist eine äußerst abenteuerliche Aussage zu diesem Thema. Aber o.k., was soll ich sagen? Jedem das Seine. Auch wenn das vom eigentlichen Thema 'USA versus Deutschland' so langsam weg rutscht, muss ich mich natürlich dazu äußern.

Drei meiner vier Großeltern sind der Realitätsignoranz des Adolf Hitler zum Opfer gefallen. Zugegeben, das macht mich wohl nicht ganz unvoreingenommen. Mir ist auch klar, dass der 2.Weltkrieg die uns nachfolgenden Generationen nicht so berührt, wie mich, oder gar meine Eltern. Dennoch erstaunt es mich außerordentlich, wie Teile eben dieser späteren Generationen historische Tatsachen interpretieren oder sogar verkennen. Doch dieses Phänomen ist nicht neu. Schauen wir in der Geschichte nur ein kleines Stück weiter zurück: Was die Europäer, deren Nachfahren sich heute US-Amerikaner nennen, vor gut 200 Jahren mit den Nordamerikanern gemacht haben, scheint heute kaum noch jemanden zu kratzen.

Die These, nach der wir Hitler die technischen Fortschritte wie Flugzeugindustrie, Autobahn oder Internet direkt oder indirekt zu verdanken haben, kann ich überhaupt nicht teilen. Ich gehe nicht auf jeden einzelnen Punkt ein, aber nehmen wir einmal an, es würde stimmen (Ausführungen im Konjunktiv mag ich gar nicht, doch hier muss es ausnahmsweise einmal sein). Beispielsweise das Internet würde schlicht und einfach nicht existieren. Würde das jemanden stören oder gar schaden? Natürlich nicht, weil niemand wüsste, dass es existieren könnte! In 50 oder in 100 oder in 1000 Jahren wird es Technologien geben, die heute noch nicht einmal in den Gehirnen von Sience-Fiction-Autoren herum schwirren. Da wir von diesen Technologien noch nichts ahnen, beschäftigen wir uns gar nicht erst damit, ob und wann sie erfunden werden.

Natürlich kann man 'Eventuell-Fälle' immer nur hypothetisch betrachten. Doch ich bin überzeugt, sämtliche angesprochenen technischen Entwicklungen würden uns heute so, oder so ähnlich, zur Verfügung stehen. Auch wenn Hitler nie gelebt, oder die Gesellschaft seine Entfaltung nicht zugelassen hätte.

Und selbst, wenn das alles stimmen würde, wenn wir all die genannten Fortschritte auch nur ansatzweise Hitler zu verdanken hätten? Sozusagen als Abfallprodukt seiner Geltungssucht. Wenn ich das alles 60 Millionen Toten - mal ganz abgesehen von dem Elend der Überlebenden - gegenüber stelle, erkenne ich im Verhältnis von Gut und Schlecht beim besten Willen keinerlei Gleichgewicht.
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