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Old 28.08.2007, 13:22   #84
Jan
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Natürlich ist das kein Grund. Aber gerade wegen dem zweiten Weltkrieg können wir - bzw. die Deutsche Regierung - es sich nicht leisten, irgendwelchen Forderungen zu widersprechen, weil wir sonst sofort wieder als Nazis bezeichnet werden würden. Vielleicht nicht von den Regierungen der anderen Länder, aber von allen Bürgern. Bestes Beispiel von vor ein paar Tagen: Die Isrealische Regierung hat den Holochaust-Hinterbliebenen Deutsche Unterstützung versprochen. In wieweit das genau der Wahrheit entspricht, kann ich nicht genau sagen. Ich habe es nur gesagt bekommen.
Das Thema sagt mir jetzt gerade nichts und es ist im Grunde natürlich etwas dreist, über die Gelder anderer Länder zu sprechen, aber in diesem Fall ist das durchaus berechtigt finde ich. Man kann nie wieder gutmachen, was die Nazis dem jüdischen Volk angetan haben und natürlich gibt es Politiker (auch in Israel), die das ausnutzen. Das wird in Israel selbst auch sehr kritisch gesehen, da man die Gefahr sieht, wieder einer Sonderbehandlung durch Europa bzw. in erster Linie durch Deutschland zu unterliegen, weil man Jude ist (wenn es in diesem Fall auch positive Sonderbehandlung ist). Gleichzeitig gibt es aber in meinen Augen berechtigte finanzielle Forderungen von Holocaust-Überlebenden und Angehörigen von Holocaust-Opfern. Ich bin leider nicht sehr gut informiert, inwieweit die deutsche Regierung von alleine diese Belange behandelt oder ob Israel dort immer erst Druck machen muss. Daher kann ich das angesprochene Thema leider nicht abschließend beurteilen.

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Hast du das Buch "Hurra, wir kapitulieren! Von der Lust am Einknicken" von Henryk M. Broder gelesen?
Nein, leider noch nicht (jedenfalls nicht komplett, nur einzelne Auszüge, die vorab oder später veröffentlicht wurden). Ich kenne andere Werke von ihm und wiederum Werke von anderen Autoren mit dem in diesem Buch behandelten Thema (wie gesagt, ich studiere Religionswissenschaft und bis daher ganz gut mit islamischer Literatur und Literatur über den Islam versorgt). Es macht Spaß, Broder zu lesen oder ihm zuzuhören. Er ist ein genialer Zyniker, aber man sollte aufpassen, ihn als politischen Journalisten völlig ernst zu nehmen. Ich will damit nicht sagen, dass man ihn nur aus Spaß lesen soll, aber man sollte seine überspitzen Schlussfolgerungen doch kritisch hinterfragen.

Ihm wird ja sogar in jüdischen Kreisen eine gewisse Islamphobie vorgeworfen (jedenfalls in Deutschland, wie es in Israel ist, kann ich leider nicht sagen). Trotzdem mindert das nicht viele richtige Argumente, die er anführt. Er kritisiert (besonders in linken Kreisen) weit verbreitete islamunkritische Haltungen, setzt ihnen oft aber genauso einseitig unkritische pro-westliche Thesen gegenüber. Über Broder allein könnte man schon wieder seitenlang diskutieren, also lass uns besser nicht zu sehr auf seine Person vertiefen. Aber ich werde bei nächster Gelegenheit sein Buch kaufen und mal komplett lesen.
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