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Old 01.07.2006, 17:44   #8
Jan
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Ich kann Showbiz nur zustimmen, auch wenn ich den Sachverhalt etwas anders darstellen würde. Jedes Lebewesen ist egoistisch, dies zeigen Evolution, Geschichte und Alltag. Natürlich kann man sich mithilfe von Religionen einreden, dass es eine höhere Instanz gibt, die wahrlich zwischen "gut" und "böse" unterscheiden kann. Wer jedoch ernsthaft seine Taten hinterfragt, wird kausale Zusammenhänge entdecken, die zu gewissen Taten führten. Wem man einmal die Entstehung einer Handlung kennt, lässt sie sich nicht mehr im christlichen Sinne als "gut" oder "böse" einordnen. Es handelt sich lediglich um verschiedene Lebensarten des Egoismus.

Ich möchte mich jedoch in Bezug auf Liebe zu Menschen etwas von Showbiz abgrenzen. Natürlich genießt man in der Beziehung zu einer anderen Person entscheidende Teilaspekte dieser Beziehung (sei es Sex, Kommunikation oder Rückhalt) und somit könnte man behaupten, man liebe lediglich die Liebe, nicht die Person. Doch es bedarf einfach gewisser Merkmale, damit ich in einer bestimmten Beziehung Liebe (mit all seinen Teilaspekten) empfinden kann. Daher kann man meiner Ansicht nach durchaus von Liebe zu Menschen oder auch von Nächstenliebe sprechen, was die negative Interpretation von Egoismus etwas relativiert.

Zwar bin ich egoistisch, aber aufgrund meiner Liebe zu Menschen kann ich trotzdem im harmonischen Einvernehmen mit meiner Umwelt leben (ähnlich interpretiert ja auch der Buddhismus Nächstenliebe). Diese Form von Egoismus wird in unserer Gesellschaft aufgrund führender religiöser Überzeugungen idealisiert und glorifiziert (bzw. als "gut gekennzeichnet), während man "unmenschlichen" Egoismus (also den Drang nach allem, was nicht menschlich ist, z.B. Konsumgier) als "böse" bezeichnet. Es ist ein ähnliches Thema wie die Frage nach Gott. Man kann sich ernsthaft damit beschäftigen und nach Antworten suchen, oder lediglich die einfachste und naivste Antwort akzeptieren.
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