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Old 11.11.2009, 17:02   #3
MorpheusR
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Originally Posted by DasMatze View Post
Gestern erfuhr ich, dass ungefähr 380 Milliarden (oder waren es Millionen?) US-Dollar täglich um die Welt gehen. Der Anteil, den Waren- und Gütertransporte dabei einnehmen, ist nicht größer als 2%. Der Rest sei reines Kapitalwachstum. Er behauptete bei nur 0.1% Besteuerung dieses Kapitals würde genug Geld aufkommen um die Bewohner von Dritte-Welt-Ländern zB. gegen Malaria zu impfen und die Todesrate zu senken oder mit genügend Essen zu versorgen. Und diese 0.1% würden nicht einmal auffallen.

Warum sind Kapitalisten also derart egoistisch, materialistisch, ja gar menschenverachtend? Welcher Dämon steckt in ihnen, dass ihnen eine größer werdende Zahl an Geld auf ihrem Konto (welches sie vermutlich nicht einmal ausgeben können) mehr wert ist als die halbe Welt vor dem Tod und dem Elend zu beschützen? Stecken da die Illuminaten hinter? Wo ist die Solidarität?
Nunja, ganz so einfach ist das leider nicht. Ich kann die Korrektheit der Zahlen in deiner Aussage leider nicht nachprüfen. Daher werde ich selbst ein kleines Beispiel zur Veranschaulichung anbringen. Es ist so, dass bei uns Güter und Nahrungsmittel, im Vergleich zu vielen umliegenden Ländern, sehr günstig sind. Ich könnte heute zu Media-Markt gehen und mir einen dicken LCD-Fenseher eines namhaften Herstellers für sagen wir etwa 500-600€ kaufen. Wie kann es angehen, ein dermaßen hochwertiges Gerät für diesen Preis anzubieten, oder besser, wie ist dies überhaupt möglich? Der Schlüssel nennt sich Globalisierung. Nehmen wir als Hersteller zum Beispiel Samsung. Samsung produziert ein Fernsehgerät, doch die Produktion wird größtenteils, wenn nicht vollständig im Ausland ablaufen. Nokia genau das gleiche, denn die Produktion ist im Ausland, bei den Entwicklungsländern, um einiges billiger. Man zahlt weniger Steuern, die Arbeiter geben sich noch, auf gut Deutsch gesagt, mit einem Apfel und einem Ei als Lohn zufrieden und die Laube passt.
Dort, unter meist nicht gerade tollen Arbeitsbedingungen von schlecht bezahlten Arbeitern, die froh sind überhaupt arbeiten zu können, hergestellt, kommt unser Fernsehgerät zurück nach Deutschland. Da Samsung die Produktion unter diesen Umständen sagen wir umgerechnet mit Überführung, Material, Arbeiterlohn und allem maximal 200€ gekostet hat, kann der Hersteller das Gerät nun für 600€ verkaufen - erzielt damit immernoch einen großen Gewinn und der Otto-Normal-Verbraucher ist begeistert, dass man sich sowas heutzutage nun auch leisten kann. Dass der günstige Preis allerdings nur durch Arbeit in Niedriglohnländern und Preis-Dumping möglich ist, und somit immer auf die Entwicklungsländer abgewälzt wird, bleibt scheinbar unbemerkt. Wir alle leben so gesehen auf Kosten anderer, denn würde man von heute auf Morgen eine absolute Solidarität umsetzen, und alle gleich bezahlen, fair be- und handeln, egal wo auf der Welt, dann müssten wir alle aber einen gehörigen Gang zurückschalten! Löhne bzw. Personalkosten sind für jeden BWL'er und jede Firma ein rotes Tuch - man sollte nicht meinen was Arbeiter in Deutschland Geld verschlingen! Personalkosten sind im Normalfall immer die höchsten Kosten in einer Firma. Würde man dieses Fernsehgerät also komplett in Deutschland herstellen, zu fairen Bedingungen und fairen Löhnen, würde es sagen wir statt 600€ dann 1700€ oder mehr Kosten (ich setzte hierfür voraus, dass Materialeinkauf ebenfalls von Deutschen Firmen zu angemessen Preisen stattfindet). Dies ist ebenfalls bei Nahrungsmitteln und sonstigen Gütern der Fall. Würden wir alle in Kauf nehmen, dass unsere Konsumgüter teurer werden, könnten wir als Deutschland alleine ebenfalls sehr sehr viel bewirken und zu einer besseren Welt beitragen. Wenn man dann noch bedenkt, dass der Rest der Industrieländer mitzieht... Doch stattdessen verbringt man lieber Zeit damit zu schimpfen, dass die Milchprodukte erneut um satte 6 Cent teurer geworden sind. Der Kapitalismus kann nur so lange bestehen, so lange er Erfolg hat, sprich die Waren gekauft werden. Wenn alle sich ein wenig mehr darum scheren würden, wäre die Welt längst nicht so grausam wie sie momentan ist.
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Originally Posted by DasMatze View Post
[...] Firmen tauchen nur in Ländern auf, in denen es sich lohnt, der Rest geht denen am Arsch vorbei.
Absolut richtig. Sogar die eigenen Mitarbeiter gehen der Firma am Allerwertesten vorbei. Wenn ein Abrechnungsfehler vorliegt, wird dem betreffenden Sachverarbeiter gekündigt. Wenn es zu Geldknappheit kommt, oder eine Firma bemerkt, dass der Gewinn knapper werden könnte, werden Stellen abgebaut. Man holt sich neue Fachkräfte, welche die Firma auf ihrem Gebiet auf Fordermann bringen sollen, und sobald dies getan ist, hat ja auch die Fachkraft ihre Arbeit getan, wozu jetzt also unnötigerweise bezahlen? Und Tschüss! Ob dein System die Welt ein Stück weit verbessern würde kann ich dir nicht sagen. Es ist allerdings das Leistungssystem unserer Gesellschaft und des Kapitalismus, welches Ungleichheit schafft. Denn wer bewertet denn bitteschön Leistung? Wer nimmt sich das Recht zu bestimmen, dass die Arbeit eines Managers mehr Wert ist, als die einer Krankenschwester, eines Arztes oder eines Polizisten? Menschen werden nach Leistung bezahlt - doch man stelle sich selbst die Frage: Ist Leistung alles? Oder gibt es da nicht etwas wichtigeres - wie z.B. soziale Kompetenz und Achtung? Doch leider ist exakt das, das System welches sich auf Grundlage des Geldes gebildet hat. Wer viel hat, will noch mehr und bekommt mehr, und wer keins hat, wird nie welches bekommen oder hat große Schwierigkeiten dabei.
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Originally Posted by DasMatze View Post
Aufgrund dieser "Tatsachen" habe ich mir meine eigene Ideologie zusammen gebastelt. Ich habe mir geschworen, dass wenn ich einmal irgend etwas herstellte (zB. ein Spiel oder Programm übers Internet vertreiben), bei dem ich 100% Profit erlangen würde (in großem Ausmaße), dann würde ich 90% dieses Geldes an eine vertrauensvolle Organisation spenden. Einerseits eine gute Tat meinerseits, andererseits ist der Käufer mit involviert und er weiß, er hat etwas Gutes getan (wobei das nach hinten losgehen könnte). eine Es klingt utopisch. Es klingt wie ein gut gemeintes Vorhaben eines kleinen Kindes, das sich nicht mit Wirtschaft auskennt (so wie ich ). Ist es wirklich eine Utopie? Und wenn ja: Liegt es an mir oder an den Verhältnissen?
Ich würde sagen es ist Utopie, da deine Firma keinen bestand haben wird. Du kannst, wenn du gleichzeitig etwas Gutes tun willst, nicht mit den um einiges billigeren Produkten der "unsozialen" Konkurrenz mithalten. Es wird ein paar Menschen geben, die das gut finden und dich unterstützen. Den Großteil wird es nicht interessieren, und er wird probieren sein Geld zu behalten. Wo wir auch wieder beim nächsten Punkt wären, dem Egoismus der Gesellschaft.
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Originally Posted by DasMatze View Post
Wieder die Frage: Bin ich daran Schuld (bin ich kleinlich) oder ist es wirklich die Gesellschaft und deren egoistischen Umstände?
Nein, ich sehe das auch so. Es ist de facto aber so, dass die Menschen momentan nicht zu verbessern sind. Das Fernsehen ist Spiegelbild der Gesellschaft, denn es spiegelt wieder was die Gesellschaft gerne ansieht (ohne Quoten würde es nicht laufen). Guck dir unser Fernsehprogramm an, und du weißt bescheid, wie weit es gekommen ist. Dies ist ein ernst zu nehmendes Thema, aber ich habe momentan leider keine Zeit mehr an diesem Punkt noch weiter zu spinnen...

Man kann momentan nur hoffen, dass die Dinge irgendwann besser werden, doch ich sehe momentan keinen Lichtbalken am Horizont was das angeht. Der Großteil der Bevölkerung hat ja noch nichteinmal eingesehen, dass der Schutz der Erde, unseres Planeten, der Grundlage allen Lebens, wichtiger ist als Geld.
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Sometimes the truth isn't good enough, sometimes people deserve more.
Sometimes people deserve to have their faith rewarded...
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