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Old 11.11.2009, 14:58   #1
DasMatze
Supranasale Oligosynapsie
 
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Location: Fröndenberg, NRW
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DasMatze: Jäger der verlorenen Antworten

Mit diesem Titel eröffne ich diesen Post, der euch mal an meinen mich täglichen plagenden Gedanken teilhaben lassen soll.

Vorab: Ich bin nicht im Besitz allzu vieler Geschichts- und Wirtschaftskentnisse.

Ich habe einen Deutsch- und VWL-Lehrer, der nicht nur sehr nett und extrovertiert ist, er ist auch nicht auf die Nase gefallen und kann mit viel Intellekt und Kompetenz prahlen und würde den Posten als Finanzminister sicherlich bester meistern.

Auch, wenn ich nur Deutsch bei ihn habe, so kommt er bei dem Thema Idealismus vs. Materialismus (Brecht, Fontane, ...) oft auf die Wirtschaft zu sprechen, die heutzutage natürlich den unterschied sehr deutlich macht.

Gestern erfuhr ich, dass ungefähr 380 Milliarden (oder waren es Millionen?) US-Dollar täglich um die Welt gehen. Der Anteil, den Waren- und Gütertransporte dabei einnehmen, ist nicht größer als 2%. Der Rest sei reines Kapitalwachstum. Er behauptete bei nur 0.1% Besteuerung dieses Kapitals würde genug Geld aufkommen um die Bewohner von Dritte-Welt-Ländern zB. gegen Malaria zu impfen und die Todesrate zu senken oder mit genügend Essen zu versorgen. Und diese 0.1% würden nicht einmal auffallen.

Warum sind Kapitalisten also derart egoistisch, materialistisch, ja gar menschenverachtend? Welcher Dämon steckt in ihnen, dass ihnen eine größer werdende Zahl an Geld auf ihrem Konto (welches sie vermutlich nicht einmal ausgeben können) mehr wert ist als die halbe Welt vor dem Tod und dem Elend zu beschützen? Stecken da die Illuminaten hinter? Wo ist die Solidarität?

Die Leute schaufeln denen ihr ganzes Geld in den Allerwertesten und stehen diesen "Menschen" dann auch noch mit Ehrfurcht gegenüber und ihnen wird für die Schaffung von Arbeitsplätzen gedankt. Das ist natürlich etwas dankbares, aber diese Firmen tauchen nur in Ländern auf, in denen es sich lohnt, der Rest geht denen am Arsch vorbei. Wenn dann plötzlich Ressourcen knapp werden führt man auch gerne mal einen Krieg um an ein wenig Öl zu kommen.

Nun die Frage, die ich mir stelle: Was ist dran? Bin ich geblendet worden von dem, was mein Lehrer mir erzählt? Würde meine Denkweise wirklich für eine "bessere Welt" sorgen?

Aufgrund dieser "Tatsachen" habe ich mir meine eigene Ideologie zusammen gebastelt. Ich habe mir geschworen, dass wenn ich einmal irgend etwas herstellte (zB. ein Spiel oder Programm übers Internet vertreiben), bei dem ich 100% Profit erlangen würde (in großem Ausmaße), dann würde ich 90% dieses Geldes an eine vertrauensvolle Organisation spenden. Einerseits eine gute Tat meinerseits, andererseits ist der Käufer mit involviert und er weiß, er hat etwas Gutes getan (wobei das nach hinten losgehen könnte). eine Es klingt utopisch. Es klingt wie ein gut gemeintes Vorhaben eines kleinen Kindes, das sich nicht mit Wirtschaft auskennt (so wie ich ). Ist es wirklich eine Utopie? Und wenn ja: Liegt es an mir oder an den Verhältnissen?

Ein weiterer Punkt, der zu meiner selbstlosen Ideologie gehört, ist die Meinungsfreiheit. Ich bin sehr viel im Internet tätig und achte (sowohl im Internet als auch im echten Leben) darauf, wie andere artikulieren. Ich stelle fest, dass der Großteil verallgemeinert. Dadurch fühle ich mich oftmals in meiner Meinungsfreiheit eingeschränkt, da meine Meinung nicht als valide angesehen wird.

Stets heißt es zB. "Microsoft ist Scheiße!" Diese Person mag seine Meinung haben und ich würde sie gerne akzeptieren. Jedoch zeigt er dadurch sofort, dass er meine nicht akzeptiert, mir nicht einmal die Möglichkeit gibt. Nicht nur, dass ich meine Meinung als solche definiere, ich versuche sie auch immer mit Beweisen, Beispielen, ... zu belegen. Und bevor ich etwas von meinem Gegenüber eindeutiges zu hören bekomme, gehe ich so voran, dass ich von Grund auf jede Meinung toleriere. Wenn dann wieder Verallgemeinertes (im Internet fast immer mit schlechter Rechtschreibung gepaart) kommt, breche ich die Diskussion meist ab. Denn ich habe keine Lust mich ständig rechtfertigen zu müssen. Vielleicht ist das ein Grund, warum ich ein Emo bin (kein Fashion-Trend-Emo, sondern ein Emo mit den ganzen seelischen Klischees, wobei "Emo" eigentlich nur für emotionale Personen steht). Wieder die Frage: Bin ich daran Schuld (bin ich kleinlich) oder ist es wirklich die Gesellschaft und deren egoistischen Umstände?

Ähnlich wie bei meiner (zum großen Teil kurierten) Angstkrankheit, die ich jahrelang hatte: Bin ich wirklich Schuld daran, dass mir ständig so übel wurde, dass ich jedes mal fast erbrechen musste, wenn ich aus dem Haus ging? Oder sind es die Mitschüler, die mich gemobbt haben (was bei meiner jetzigen Schule eine Lehrerin übernimmt), was dazu führte dass ich die Schule abbrechen und mich in eine Klinik begeben musste?

Ich selbst bin in keinster Weise perfekt. Auch ich mache viele Fehler die gegen meine Ideologie sprechen würden. Aber ich sehe meine Fehler ein und suche sie zuerst bei mir. Ich arbeite daran sie zu vermeiden. Dies ist meiner Meinung nach eine heutzutage noch seltenen vorkommende Eigenschaft. Niemand möchte sich noch Fehler eingestehen.

Das sind Fragen, die ich mir täglich stelle. Was sagt ihr? Belehrt mich eines Besseren ... nein, Moment! Belehrt mich mit eurer Meinung!

MfG DasMatze

PS: Vielen Dank für's Lesen!
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Meine Heimseite: http://www.dasmatze.de/
Gegen jede Form von Verallgemeinerung. Eure Meinung ist nicht das Wort der Bibel. Lernt eure Meinung als solche zu kennzeichnen!

Last edited by DasMatze; 11.11.2009 at 15:05.
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